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Überraschend vertraute Bilder Die besten Geschichten liegen auf der Strasse, sagt Susann Basler. Die TZ-Fotografin hat sie gesammelt und einen Bildband veröffentlicht. «Thurgau» heisst das Buch, das Traktoren, Leute und sogar die Zuckerfabrik in ein neues Licht rückt. FRAUENFELD – Ein Bauer steht in knöchelhohem Gras und blickt zur Seite. Die Hände stecken in den Hosen, er raucht. Der Qualm löst sich im Nebel auf. Die Sonne drückt, und zwischen den Furchen des gepflügten Ackers glitzert braune, nasse Erde. Der Kontrollgang im Morgennebel über die Felder ist eines von 136 Bildern, das im frisch gedruckten Buch der Thurgauer Fotografin Susann Basler Platz gefunden hat. Die Signierstunde, die gestern Sonntag in der Buchhandlung Orell Füssli im Frauenfelder Einkaufszentrum Passage stattgefunden hat, war zugleich auch eine Vernissage. Dutzende Menschen blätterten durch das 180-seitige Werk, riefen «au lueg do» oder «de kenn i doch». Innerhalb einer Stunde waren 65 Exemplare verkauft – fast der ganze Vorrat der Buchhandlung. «Thurgau» ist Baslers erster Bildband. Über ein Jahr lang hat sie am Buch, das im Verlag Huber erschienen ist, gearbeitet. Ihre Motive suchte sie nicht bewusst, sie liefen ihr über den Weg. «Die meisten Bilder entstanden spontan», sagt sie. «Ich habe das Bild vor Augen, und dann drücke ich ab.» Das kann überall vorkommen: am Bahnhof Frauenfeld, an ihrem Wohnort Müllheim oder in Güttingen, wenn ein Mädchen in rosa Hosen einen rosa Kinderwagen vor sich her schiebt. Susann Basler sagt: «Die besten Geschichten liegen auf der Strasse.» Die alte Frau und das Model Entstanden ist ein Buch mit vielen Geschichten. Ein Bildband mit bodenständigen Motiven. Viel Landschaft, viel Landwirtschaft. Aber auch mit viel Freizeit. Menschen auf dem Velo oder beim Schwingen, Menschen am See, Menschen an der Chilbi. Die Bilder sind Thurgauern vertraut. Es sind Bilder, die dem Alltag entspringen. Trotzdem, langweilig sind die Bilder nicht. Susann Basler fotografiert mit Witz und Liebe zu Menschen und Details. Das Überraschende durchbricht das Gewohnte und Vertraute. Die Bilder entlarven den Alltag, zeigen die komischen Momente, die uns zu oft verborgen bleiben. Da sitzt beispielsweise eine alte Frau mit Stock und Turnschuhen am Bahnhof, und hinter ihr prangt auf einem Werbeplakat ein grosses Model in Unterwäsche. Der BH kostet 24.90 Franken, die alte Frau interessiert es nicht. Der Traktor im Rapsfeld Die Grenze zur Lächerlichkeit bleibt jedoch stets unberührt. «Ich will niemanden blossstellen», sagt die Müllheimer Fotografin, «die abgelichteten Menschen sollen zu den Bildern stehen können.» Was aber ein wichtiges Ziel Susann Baslers nicht ausschliesst: «Die Betrachter sollen schmunzeln können.» Mit dem Bildband hat die TZ-Fotografin, 1954 geboren und ursprünglich Zürcherin, ihrer Wahlheimat Thurgau ein Denkmal gesetzt. Um Traktoren, Bauern und Kühe kommt man dabei zwar nicht herum, doch das Buch beleuchtet auch die Moderne. Die Bildmotive pendeln zwischen einem Traktor im Rapsfeld und dem Betonkomplex der Zuckerfabrik Frauenfeld, zwischen intakten Landschaften und Verkehrsstaus. «Wir sollten lernen, auch das weniger Schöne mit anderen Augen zu sehen», sagt Susann Basler. «Ein Stau hat doch etwas Schönes, wenn all die roten Rücklichter aufleuchten.»lLUKAS G. DUMELIN Thurgau. Verlag Huber, Frauenfeld 2008. 180 Seiten. Rund 40 Franken.
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