Thurgauer Zeitung vom Dienstag, 24. Juni 2003, Ressort Oberthurgau
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Portraits laden zum Hinsehen ein

Für einmal sind die Bewohnerinnen und Bewohner in der Ausstellung des Regionalen Pflegeheims Romanshorn zu sehen. Fotografin Susann Basler hat die alten Menschen in Schwarzweiss porträtiert.

Madeleine Stäheli Toualbia

Romanshorn - Die Fotos bergen Überraschungen. Die leicht angeschnittenen Köpfe der alten Männer und Frauen bringen Details in den Gesichtern zu Tage, die man im Gespräch mit den fotografierten Personen kaum bemerken würde. Man kann die tiefen Furchen betrachten, die eingegrabenen Falten zählen und sich in den Ausdruck eines Gesichtes vertiefen. Man kann aber auch sehen, wie alte Menschen noch Anteil am Tagesgeschehen nehmen, etwa beim Zeitungslesen, wie genüsslich man noch im hohen Alter an einer Zigarette ziehen und wie man auch in den Gängen eines Pflegeheims noch gemeinsam durch den Alltag gehen kann.

Sehr nah

Die Bilder sind mit Empfindungen gefüllt und beweisen, dass diese alten Menschen noch ein Leben haben, von dem Aussenstehende oft fast gar nichts mitbekommen. Fotografin Susann Basler dankte am Samstag an der Vernissage den Bewohnerinnen und Bewohnern des Pflegeheims, dass sie sie so nah an sich herangelassen hatten. Die 30 Schwarzweiss-Fotos sind persönlich, aber niemals peinlich.

Das Motto der regelmässigen Ausstellungen im Regionalen Pflegeheim Romanshorn, eine Brücke zwischen Innen und Aussen zu schlagen, kommt diesmal besonders zum Tragen. «Die Botschaft des Pflegeheims lautet, dass man hinschauen kann», sagt Kunst- und Aktivierungstherapeutin Annelies Meyer. «Man kann die Gesichter studieren, was man sich sonst nicht so traut, wenn die Bewohner im Garten sitzen.»

Richtige Fotomodelle

Auf die Anfrage von Annelies Meyer, ob sie einige ihrer Fotos im Pflegeheim ausstellen wolle, hatte Susann Basler unter der Bedingung zugesagt, dass es Bilder der Bewohner sein müssten. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten ist die Fotografin immer wieder spontan im Pflegeheim vorbeigegangen, hat sich mit den alten Menschen unterhalten und sie fotografiert. Sie habe sie nicht dazu überreden müssen, sagt Susann Basler. Das Fotografieren hätte grossen Spass gemacht. Es hätte sogar einige gegeben, die sich zu richtigen Fotomodellen entwickelt hätten. So ist beispielsweise das Bild einer Frau, die im Gitterbett liegt, gestellt, auch wenn das auf dem Foto nicht diesen Anschein macht.

Für Bewohner wichtig

Wenn die Fotografin jeweils wiedergekommen sei, hätte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer im Haus verbreitet, fügt Annelies Meyer an. Die Bewohner hätten sich immer darüber gefreut. Die Fotos sind Eigentum der Fotografin, aber grundsätzlich verkäuflich, in erster Linie natürlich an die Angehörigen. Das Pflegeheim hat laut Annelies Meyer Erfolg mit seinem Motto, eine Brücke zwischen Innen und Aussen zu schlagen. «Wir werden oft angesprochen. Besucher sagen, dass die Ausstellungen Hemmungen abbauen.» Auch bringe jeder Künstler wieder seinen eigenen Bekannten- und Freundeskreis mit. «Das Ganze ist sehr wichtig für die Heimbewohner», erklärt die Therapeutin, die dazu beigetragen hat, dass im Pflegeheim Ausstellungen stattfinden, «sie fühlen sich dann nicht eingesperrt.»

Öffnungszeiten: Die Ausstellung im Eingangsbereich des Regionalen Pflegeheims in Romanshorn kann bis am 15. August täglich von 8 bis 18 Uhr besucht werden.